
Herzfrequenzvariabilität: Was sagt die HRV aus?

Kurz gesagt: Was ist die Herzfrequenzvariabilität?
- HRV beschreibt die Schwankung der Zeitabstände zwischen zwei Herzschlägen.
- Sie ist ein Indikator für die Aktivität deines autonomen Nervensystems.
- Eine hohe HRV spricht für gute Regeneration und Anpassungsfähigkeit.
- Eine niedrige HRV kann auf Stress oder Überlastung hinweisen.
- Gemessen wird sie über die Analyse der RR-Intervalle (z. B. mit Wearables oder Brustgurt).
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) – oft auch als Herzratenvariabilität bezeichnet – beschreibt die natürlichen Schwankungen in den Zeitintervallen zwischen zwei Herzschlägen. Diese Variabilität ist kein Fehler, sondern ein biologisches Qualitätsmerkmal: Sie zeigt, wie flexibel dein Körper auf Belastung, Erholung und Stress reagiert. Gesteuert wird sie vom autonomen Nervensystem, also dem Zusammenspiel von Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Regeneration) (Sammito et al., 2024).
Obwohl die Begriffe Herzfrequenzvariabilität und Herzratenvariabilität synonym verwendet werden, bezeichnen sie dasselbe physiologische Phänomen: die Variation der sogenannten RR-Intervalle – also der Zeit zwischen zwei Herzschlägen. Eine hohe HRV steht in der Regel für eine gute Regenerationsfähigkeit, Stressresistenz und ein ausgeglichenes vegetatives Nervensystem. Eine niedrige HRV kann dagegen ein frühes Warnsignal für chronischen Stress, Erschöpfung oder eine eingeschränkte Regulationsfähigkeit sein (Zeid et al., 2023; Tarvainen et al., 2023).
In diesem Artikel erfährst du, wie du deine HRV zuverlässig messen kannst, welche Werte als normal gelten und was deine Herzfrequenzvariabilität über Stress, Schlaf und Regeneration aussagt. Außerdem zeigen wir dir, wie du deine HRV langfristig verbessern kannst – gezielt vertiefend im Artikel Herzfrequenzvariabilität verbessern.

Was ist die Herzratenvariabilität (HRV)
Was ist die Herzfrequenzvariabilität (HRV)?
Ein gesundes Herz schlägt nicht in einem starren, gleichmäßigen Takt. Die Zeit zwischen zwei Herzschlägen variiert minimal – und genau diese Schwankungen beschreibt die Herzfrequenzvariabilität (HRV). Sie wird in Millisekunden (ms) gemessen und zeigt, wie flexibel dein Herz-Kreislauf-System auf körperliche und psychische Anforderungen reagiert (Sammito et al., 2024).
Konkret analysiert die HRV die Abstände zwischen den Kontraktionen der Herzkammern, die sogenannten RR-Intervalle. Je stärker diese Zeitabstände schwanken, desto anpassungsfähiger arbeitet dein vegetatives Nervensystem. Eine hohe HRV steht meist für gute Regeneration, Belastbarkeit und ein ausgeglichenes Nervensystem. Eine niedrige HRV kann dagegen auf akuten oder chronischen Stress, Übertraining oder mangelnde Erholung hindeuten (Tarvainen et al., 2023; Zeid et al., 2023).
In der Sportwissenschaft, der Stressforschung und der Präventionsmedizin wird die HRV genutzt, um Regeneration, Trainingssteuerung und die Balance zwischen Aktivierung und Erholung objektiv zu bewerten. Studien zeigen, dass eine dauerhaft niedrige HRV mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sein kann – während höhere Werte mit einer besseren kardiovaskulären Prognose verbunden sind (Frontiers in Physiology, 2024).
Vegetatives Nervensystem: Sympathikus und Parasympathikus
Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Gegenspielern: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Der Sympathikus aktiviert den Körper bei Stress oder Belastung („Fight-or-Flight“), während der Parasympathikus Regeneration und Ruheprozesse steuert („Rest-and-Digest“).
Die HRV-Messung gilt als nicht-invasive Methode, um dieses Gleichgewicht objektiv zu beurteilen. Sie zeigt, wie gut dein Körper zwischen Anspannung und Entspannung wechseln kann – ein zentraler Faktor für Leistungsfähigkeit, Schlafqualität und langfristige Gesundheit (Sammito et al., 2024).
Tipp: Möchtest du deine Regeneration und HRV gezielt verbessern? In unserem BLACKROLL Online-Schlafkurs lernst du, wie du durch erholsamen Schlaf und gezielte Entspannungstechniken dein Nervensystem nachhaltig regulierst.

Wie misst man die HRV?
Die HRV-Messung erfasst die zeitlichen Abstände zwischen zwei Herzschlägen – sogenannte RR-Intervalle. Diese Analyse zeigt, wie flexibel dein autonomes Nervensystem zwischen Aktivierung und Regeneration wechseln kann. Je nach Messverfahren lassen sich unterschiedliche HRV-Werte wie SDNN oder RMSSD berechnen (Shaffer & Ginsberg, 2017; Ernst, 2014).
1. Elektrokardiographie (EKG) – der Goldstandard
Die Elektrokardiographie (EKG) gilt als präziseste Methode zur Messung der Herzfrequenzvariabilität. Elektroden auf der Haut zeichnen die elektrischen Signale des Herzens exakt auf. Die Messung kann in Ruhe, unter Belastung oder als 24-Stunden-Langzeit-EKG erfolgen.
Aus den aufgezeichneten RR-Intervallen berechnet eine Analyse-Software verschiedene HRV-Parameter, zum Beispiel:
- SDNN: Gesamtvariabilität aller Herzschläge – Maß für allgemeine Anpassungsfähigkeit.
- RMSSD: Kurzzeitvariabilität – gilt als Marker der Parasympathikus-Aktivität.
- LF/HF-Ratio: Verhältnis von sympathischer und parasympathischer Aktivität.
Studien bestätigen, dass das EKG die höchste Genauigkeit bei der Erfassung von HRV-Parametern bietet (Tarvainen et al., 2023).
2. Photoplethysmographie (PPG) – HRV-Messung mit Smartwatch & Wearables
Die Photoplethysmographie (PPG) ist eine optische Messmethode, die in vielen Smartwatches und Fitness-Trackern eingesetzt wird. Ein Lichtsensor misst Blutvolumenveränderungen in den Gefäßen und wandelt sie in Pulssignale um. Aus diesen Signalen lassen sich HRV-Werte berechnen.
Geräte wie Garmin-Uhren, die Apple Watch oder andere Wearables zeigen die HRV meist als Trendwert an. Garmin ermittelt häufig einen nächtlichen „HRV-Status“, während die Apple Watch typischerweise den SDNN-Wert aus Ruhephasen berechnet.
Im Vergleich zum EKG kann die PPG-Methode bei Bewegung oder schlechter Hautdurchblutung eine geringere Genauigkeit aufweisen (Lu et al., 2020). Für Training, Stressmonitoring oder Schlafanalysen eignet sie sich jedoch gut, um langfristige Trends zu erkennen.
Wichtig ist weniger das Gerät als die regelmäßige Messung unter gleichen Bedingungen – idealerweise morgens nach dem Aufwachen oder nachts im Schlaf.
Wer hat die Herzfrequenzvariabilität erstmals gemessen?
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Herzfrequenzvariabilität (HRV) begann im frühen 20. Jahrhundert. Sir Charles Sherrington beschrieb die Bedeutung der nervalen Regulation des Herzrhythmus im Kontext des autonomen Nervensystems – eine Grundlage für die spätere HRV-Forschung (Sherrington, 1906).
Die erste systematische quantitative HRV-Messung erfolgte in den 1960er-Jahren. Moss und Kellenberger (1965) zeigten, dass die Analyse der RR-Intervalle Rückschlüsse auf die Aktivität des autonomen Nervensystems zulässt.
In den 1980er-Jahren entwickelten Akselrod und Kollegen Methoden zur Spektralanalyse der HRV, mit denen sympathische und parasympathische Aktivität getrennt untersucht werden konnten. Heute ist die HRV fester Bestandteil der Forschung in Medizin, Sportwissenschaft, Neurologie und Schlafforschung.

HRV und Stress: Was dein Körper dir zeigt
Stress messen mit Hilfe der HRV
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) gilt als einer der zuverlässigsten physiologischen Marker, um Stress objektiv zu messen. Sie zeigt, wie flexibel dein autonomes Nervensystem zwischen Aktivierung (Sympathikus) und Regeneration (Parasympathikus) wechseln kann. Eine niedrige HRV deutet häufig auf eine erhöhte Stressbelastung hin, während eine hohe HRV mit guter Erholung und Anpassungsfähigkeit assoziiert ist (Shaffer & Ginsberg, 2017; Thayer et al., 2012).
Wie die HRV Stress sichtbar macht
- Akuter Stress: Aktiviert den Sympathikus – der Herzschlag beschleunigt sich, die HRV sinkt kurzfristig.
- Chronischer Stress: Kann zu dauerhaft niedrigen HRV-Werten führen und die Regulationsfähigkeit des Nervensystems reduzieren.
- Erholung & Entspannung: Aktivieren den Parasympathikus – Herzfrequenz sinkt, die HRV steigt.
Studien zeigen, dass Personen mit dauerhaft niedriger HRV häufiger unter Schlafstörungen, Erschöpfung und kognitiver Überlastung leiden (Kim et al., 2018).
Mithilfe der HRV kannst du nachvollziehen, wie dein Körper auf Belastung reagiert und wie schnell du dich davon erholst. Entscheidend ist weniger ein einzelner Messwert als der Verlauf über mehrere Tage oder Wochen. Bleiben deine HRV-Werte dauerhaft niedrig, kann das ein Hinweis auf Überlastung, Schlafmangel oder unzureichende Regeneration sein.
In diesem Fall lohnt es sich, gezielt an Schlafqualität, Entspannung und Trainingssteuerung zu arbeiten – zum Beispiel durch bessere Schlafbedingungen oder strukturierte Entspannungstechniken.
Wichtig ist jedoch: Die HRV ist kein Diagnoseinstrument, sondern ein physiologischer Indikator. Sie sollte stets im Kontext anderer Gesundheitsparameter und deines subjektiven Empfindens interpretiert werden (Ernst, 2014).

HRV im Lebensverlauf und Schlaf
Herzfrequenzvariabilität: Referenzwerte nach Alter
Es gibt keinen einzelnen „guten“ HRV-Wert, der für alle Menschen gleichermaßen gilt. Die individuelle Herzfrequenzvariabilität hängt von Alter, Geschlecht, Trainingszustand, Stressniveau und Schlafqualität ab. Grundsätzlich nimmt die HRV mit zunehmendem Alter ab, da die Flexibilität des autonomen Nervensystems sinkt (Shaffer & Ginsberg, 2017).
Entscheidend ist weniger der Vergleich mit anderen Personen, sondern dein persönlicher Verlauf. Dennoch helfen Durchschnittswerte zur Orientierung – insbesondere wenn du dich fragst: Ist mein HRV-Wert normal? (Umetani et al., 1998; Nunan et al., 2010).
Die folgenden Referenzbereiche basieren auf populationsbezogenen Durchschnittsdaten und dienen lediglich der Orientierung.
Was ist ein guter HRV-Wert?
Als grobe Orientierung gelten folgende Bereiche (RMSSD-Werte in Millisekunden):
- 20–30 ms: niedrig
- 30–50 ms: durchschnittlich
- 50–70 ms: gut
- >70 ms: sehr gute Regenerationsfähigkeit
Beispiel: Ein HRV-Wert von 45 ms liegt im durchschnittlichen Bereich. Wichtig ist jedoch, ob dieser Wert für dich stabil bleibt oder deutlich unter deinem persönlichen Durchschnitt liegt.
Auch hormonelle Veränderungen können die HRV beeinflussen. Besonders im weiblichen Zyklus schwankt die Herzfrequenzvariabilität in Abhängigkeit von Östrogen- und Progesteronspiegeln. Mehr dazu erfährst du im Beitrag HRV und weiblicher Zyklus.
Herzfrequenzvariabilität im Schlaf
Die HRV im Schlaf ist ein wichtiger Indikator für deine nächtliche Regeneration. Während der Nacht dominiert idealerweise der Parasympathikus, wodurch die Herzfrequenz sinkt und die HRV ansteigt. Eine höhere nächtliche HRV spricht meist für gute Erholung und Schlafqualität (Chua et al., 2019).
Im Verlauf der Nacht verändert sich die HRV je nach Schlafphase. Im Tiefschlaf ist die parasympathische Aktivität besonders ausgeprägt – hier sind höhere HRV-Werte typisch. In REM-Phasen kann die HRV leicht sinken, da das autonome Nervensystem variabler reagiert (Trinder et al., 2001).
Es gibt keine festen Normwerte für die HRV im Schlaf. Entscheidend ist dein persönlicher Trend über mehrere Nächte. Wenn deine nächtliche HRV dauerhaft niedrig bleibt oder dein Ruhepuls ungewöhnlich stark abfällt oder ansteigt, kann das auf Stress, Übertraining oder Schlafmangel hinweisen.
Moderne HRV-Tracker, Smartwatches oder Brustgurte helfen dir, diese Entwicklungen sichtbar zu machen und deinen individuellen Referenzwert zu bestimmen.
HRV-Training und Biofeedback: Balance lernen statt steigern
Wie du deine HRV im Alltag unterstützen kannst
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) reagiert sensibel auf deinen Lebensstil. Faktoren wie regelmäßige Bewegung, bewusste Atmung, Schlafqualität und Stressregulation beeinflussen, wie flexibel dein autonomes Nervensystem zwischen Aktivierung und Erholung wechseln kann. Studien zeigen, dass bereits kleine, konsequent umgesetzte Anpassungen messbare Veränderungen der HRV bewirken können (Shaffer & Ginsberg, 2017).
Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Maßnahme, sondern die Kombination aus Schlaf, Regeneration und Belastungssteuerung. Wenn du deine HRV langfristig verbessern möchtest – etwa durch gezielte Atemübungen, Entspannungstechniken oder strukturierte Trainingsreize – findest du im Beitrag Herzfrequenzvariabilität verbessern eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit wissenschaftlich fundierten Methoden.
HRV-Training und Biofeedback: Wie du deine Herzfrequenzvariabilität gezielt beobachtest
HRV-Training beschreibt den gezielten Einsatz von Methoden, um die Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems zu verbessern. Im Mittelpunkt steht nicht die kurzfristige Steigerung einzelner HRV-Werte, sondern das bewusste Wahrnehmen der Wechselwirkung zwischen Atmung, Herzrhythmus und Entspannung (Lehrer et al., 2020).
Ziel ist es, durch regelmäßige Übung die Fähigkeit zu stärken, schneller zwischen Aktivierung und Regeneration zu wechseln – ein zentraler Mechanismus für Stressresistenz und Erholung.
Was passiert beim HRV-Biofeedback?
Beim HRV-Biofeedback wird die Herzfrequenzvariabilität mithilfe von Sensoren in Echtzeit gemessen. Die Ergebnisse werden visuell oder akustisch dargestellt – etwa als Kurven, Farben oder Töne. Dadurch lernst du, Atmung, Herzrhythmus und Entspannung bewusst zu synchronisieren.
Studien zeigen, dass regelmäßiges Biofeedback-Training das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus stabilisieren und die physiologische Stressregulation verbessern kann (Lehrer & Gevirtz, 2014; Goessl et al., 2017).
HRV-Biofeedback wird heute unter anderem in der Sportpsychologie, Verhaltensmedizin und Schmerztherapie eingesetzt. Klinische Studien deuten darauf hin, dass es zur Unterstützung bei Bluthochdruck, chronischen Schmerzen oder Angstzuständen beitragen kann, indem es die parasympathische Aktivität stärkt (Lehrer et al., 2020).
Konkrete Atemprotokolle, Trainingsfrequenzen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen findest du im vertiefenden Beitrag Herzfrequenzvariabilität verbessern.

Herzfrequenz und Puls: Wie sich dein Herz im Tagesverlauf anpasst
Was macht eine gesunde Herzfrequenz aus?
Die Herzfrequenz beschreibt die Anzahl der Herzschläge pro Minute (beats per minute = bpm) und darf nicht mit der Herzfrequenzvariabilität (HRV) verwechselt werden. Während die HRV die zeitlichen Schwankungen zwischen einzelnen Herzschlägen misst, zeigt die Herzfrequenz, wie oft dein Herz pro Minute schlägt. Beide Werte liefern unterschiedliche, aber sich ergänzende Informationen über dein Herz-Kreislauf-System (Zhao et al., 2020).
Der normale Ruhepuls bei Erwachsenen liegt in der Regel zwischen 60 und 80 bpm. Gut trainierte Ausdauersportler erreichen häufig Werte unter 60 bpm – ein Zeichen für eine effiziente Herzfunktion (Boudoulas et al., 2015). Frauen haben im Durchschnitt einen etwa 5–10 bpm höheren Ruhepuls als Männer.
Wichtig ist: Eine niedrige Herzfrequenz bedeutet nicht automatisch eine hohe HRV – und umgekehrt. Erst das Zusammenspiel aus stabiler Herzfrequenz und flexibler HRV weist auf eine gute vegetative Regulation hin.
Durchschnittliche Ruheherzfrequenz nach Alter
Alter (Jahre) | Durchschnittliche Ruhefrequenz (bpm) |
|---|---|
Neugeborene | 120–140 |
Kinder (6–12) | 75–110 |
Jugendliche | 65–90 |
Erwachsene | 60–80 |
Trainierte Personen | 45–60 |
Senioren (>65) | 65–85 |
Eine erhöhte Ruheherzfrequenz (> 90 bpm) kann auf Stress, Bewegungsmangel oder ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hinweisen. Eine niedrige Herzfrequenz (< 60 bpm) wird als Bradykardie bezeichnet. Bei gut trainierten Personen ist sie meist unbedenklich – in seltenen Fällen kann sie jedoch medizinisch abgeklärt werden sollten (Fox et al., 2007).
Auch im Schlaf sinkt die Herzfrequenz typischerweise deutlich ab. Ein sehr niedriger Puls während der Nacht kann bei trainierten Menschen normal sein, sollte jedoch im Kontext von Wohlbefinden, HRV-Verlauf und Schlafqualität bewertet werden.
Ein gesundes Herz reagiert flexibel: Bei Aktivität steigt die Frequenz, in Ruhe sinkt sie wieder. Diese Anpassungsfähigkeit – kombiniert mit einer stabilen HRV – ist ein Zeichen für eine gute kardiale und vegetative Regulation (Shaffer & Ginsberg, 2017).
Puls im Tagesverlauf: So ändert sich der Herzschlag im Laufe des Tages
Der Puls beziehungsweise die Herzfrequenz folgt einem natürlichen Tagesrhythmus, der durch den zirkadianen Rhythmus gesteuert wird. Dieser biologische 24-Stunden-Zyklus beeinflusst Schlaf, Hormonausschüttung, Blutdruck und Herzfrequenz. Zusätzlich wirken Alter, körperliche Aktivität, Stresslevel und Gesundheitszustand auf die täglichen Schwankungen ein (Furlan et al., 1990).
Typischerweise ist die Herzfrequenz am Morgen am niedrigsten, steigt im Verlauf des Vormittags und frühen Nachmittags an und sinkt am Abend wieder. Während körperlicher Belastung oder emotionalem Stress erreicht der Puls kurzfristig höhere Werte. Nachts dominiert der Parasympathikus, wodurch die Herzfrequenz im Schlaf deutlich absinkt (Shaffer & Ginsberg, 2017).
Typischer Tagesverlauf der Herzfrequenz
- Morgen (06–09 Uhr): niedrigere Frequenz – Körper aktiviert sich langsam
- Vormittag (09–12 Uhr): Anstieg durch Bewegung und mentale Aktivität
- Nachmittag (12–18 Uhr): oft höchste Werte im Ruhezustand
- Abend (18–22 Uhr): allmähliche Absenkung – Übergang zur Regeneration
- Nacht (22–06 Uhr): niedrigste Werte – parasympathische Dominanz im Schlaf
Kontinuierliche Messungen mit Smartwatches, Fitness-Trackern oder Brustgurten helfen dir, deinen individuellen Pulsverlauf sichtbar zu machen. So erkennst du, wie Training, Stress oder Schlaf deine Herzfrequenz beeinflussen – und kannst diese Daten gemeinsam mit deiner HRV interpretieren.
Wichtig ist dabei: Einzelne Ausschläge sind meist unproblematisch. Entscheidend ist der längerfristige Trend und das Zusammenspiel von Ruhepuls, Belastungsreaktion und Herzfrequenzvariabilität.
Anmerkung: Im Alltag werden Puls und Herzfrequenz oft synonym verwendet. Medizinisch beschreibt die Herzfrequenz die Anzahl der Herzschläge pro Minute, während der Puls die spürbare Druckwelle in den Arterien misst. Bei gesunden Menschen verlaufen beide Werte synchron. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen – etwa Vorhofflimmern – kann der Puls jedoch von der tatsächlichen Herzfrequenz abweichen (Furlan et al., 1990).

Fazit zur Herzratenvariabilität und der damit verbundenen Gesundheit
Fazit: Herzfrequenzvariabilität und Gesundheit
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein wissenschaftlich etablierter Marker für die Anpassungsfähigkeit deines autonomen Nervensystems. Eine höhere HRV wird in zahlreichen Studien mit besserer kardiovaskulärer Gesundheit, effektiverer Stressregulation und höherer Resilienz in Verbindung gebracht (Thayer et al., 2012; Shaffer & Ginsberg, 2017).
Eine dauerhaft niedrige HRV kann hingegen auf chronischen Stress, Schlafmangel oder reduzierte Regenerationsfähigkeit hinweisen. Entscheidend ist jedoch nicht ein einzelner Messwert, sondern dein individueller Verlauf im Zeitvergleich (Sammito et al., 2024).
Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausreichendem Schlaf und bewusster Atmung unterstützt die Regulationsfähigkeit des autonomen Nervensystems. Methoden wie kontrolliertes Atmen, Meditation oder HRV-Biofeedback können helfen, die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus langfristig zu stabilisieren.
Die regelmäßige Beobachtung deiner HRV ermöglicht es dir, Belastungen frühzeitig zu erkennen und dein Training, deine Regeneration oder deinen Schlaf bewusster zu steuern – als Bestandteil einer ganzheitlichen Gesundheitsstrategie, nicht als isoliertes Diagnoseinstrument.
HRV-Messung: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Quellen
- Boudoulas, K. D., Paraskevaidis, I. A., Boudoulas, H., & Triposkiadis, F. (2015). The resting heart rate: Clinical implications and prognostic significance. Current Cardiology Reviews, 11(3), 293–302. https://doi.org/10.2174/1573403X11666141216221212
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- Ernst, G. (2014). Hidden signals—The history and basic science of heart rate variability. Frontiers in Public Health, 2, 80. https://doi.org/10.3389/fpubh.2014.00080
- Fox, K., Borer, J. S., Camm, A. J., Danchin, N., Ferrari, R., Sendon, J. L. L., Steg, P. G., Tardif, J. C., Tavazzi, L., Tendera, M., & Heart Rate Working Group. (2007). Resting heart rate in cardiovascular disease. Journal of the American College of Cardiology, 50(9), 823–830. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2007.04.079
- Furlan, R., Guzzetti, S., Crivellaro, W., Dassi, S., Tinelli, M., Baselli, G., Cerutti, S., Lombardi, F., Pagani, M., & Malliani, A. (1990). Circadian changes in autonomic nervous system activity in relation to cardiovascular function. American Journal of Physiology, 258(4), H967–H976. https://doi.org/10.1152/ajpheart.1990.258.4.H967
- Goessl, V. C., Curtiss, J. E., & Hofmann, S. G. (2017). The effect of heart rate variability biofeedback training on stress and anxiety: A meta-analysis. Psychological Medicine, 47(15), 2578–2586. https://doi.org/10.1017/S0033291717001003
- Kim, H. G., Cheon, E. J., Bai, D. S., Lee, Y. H., & Koo, B. H. (2018). Stress and heart rate variability: A meta-analysis and review of the literature. Psychiatry Investigation, 15(3), 235–245. https://doi.org/10.30773/pi.2017.08.17
- Lehrer, P. M., & Gevirtz, R. (2014). Heart rate variability biofeedback: How and why does it work? Frontiers in Psychology, 5, 756. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2014.00756
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- Trinder, J., Kleiman, J., Carrington, M., Smith, S., Breen, S., Tan, N., & Kim, Y. (2001). Autonomic activity during human sleep as a function of time and sleep stage. Journal of Sleep Research, 10(4), 253–264. https://doi.org/10.1046/j.1365-2869.2001.00263.x
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